Filmmusik, Pop und Orchesterklang (von Lilo Ingenlath-Gegic, WZ 01.09.2026)

Ein neunköpfiges Akkordeon-Ensemble war am Sonntag in der Bandfabrik zu Gast
„Unterm Kirschbaum“ war das Konzert mit dem „Instrument des Jahres“ geplant, wurde aber wegen des unsicheren Wetters nach drinnen verlegt. So konnten die Besucher in der Bandfabrik hautnah den farbenreichen Klang des Akkordeons genießen. Ein neunköpfiges Ensemble des Landes-Jugend-Akkordeon-Orchesters NRW (LJAO) war in Langerfeld zu Gast und begeisterte mit einem facettenreichen Programm und vielfältigen musikalischen Geschichten.

Das LJAO besteht seit 1986 und wird vom Land NRW und dem Deutschen Harmonika Verband gefördert. Es besteht aus bis zu 25 Akkordeonisten im Alter von 16 bis 26 Jahren. Das kleinere Ensemble aus fünf jungen Spielerinnen und vier Spielern war zu einem intensiven Probenwochenende aus ganz Nordrhein-Westfalen angereist und präsentierte am Sonntagabend ein fulminantes Konzert. Die große Bandbreite des Akkordeons – von zarten Klängen bis hin zu flotter Marschmusik – zeigte das Ensemble gleich zu Beginn mit der „Festival-Ouvertüre“ des Komponisten Rudolf Würthner (1920-1974), der große Erfolge mit dem Hohner-Orchester feiern konnte. Wie spannende Filmmusik erklang die Legende von König Arthur: Zärtliche Liebeslieder, Herzklopfen, ein Pulsieren, das zu emotionalem Überschwang wird, die Ritter der Tafelrunde, die auf ihren Pferden in die Schlacht reiten – alles machten die Instrumente zu klangschönem „großen Kino“.

Viele Spieler sind Preisträger von Wettbewerben wie „Jugend musiziert“, eine Akkordeonistin wird in Kürze ihre Ausbildung am Hohner Konservatorium in Trossingen beginnen. Auch Peter Lohmar, der das LJAO seit diesem Jahr leitet, ist Akkordeonist. Sein Akkordeonstudium absolvierte der heute 37-Jährige an der Hochschule für Musik in Wuppertal. Unter seinem bewegten, zugewandten Dirigat präsentierte das Ensemble auch die „Melodie in a-Moll“ von Astor Piazzolla. Tiefgehende Emotionen, dem Bandoneon nachempfundene Klänge und wiegende Tangotakte zeigten erneut, wie vielseitig das Akkordeon ist.

Das Akkordeon wurde von den deutschen Landesmusikräten zum „Instrument des Jahres“ 2026 erklärt und soll damit etwas mehr in den Fokus gerückt werden. Seit seiner Erfindung – vor knapp 200 Jahren wurde es in Wien zum Patent angemeldet – hat es sich weltweit zu einem geschätzten Konzertinstrument entwickelt. Es ist vielseitig, ausdrucksstark und in vielen musikalischen Bereichen zu Hause.

Beim „Tetraeder“ von Hans-Günther Kölz zeigte das LJAO wie quirlig und verspielt das Akkordeon klingen kann. Sprudelnde Klänge und mitreißende Rhythmen gepaart mit feinen Elementen von Minimal Music, schnelle Beats vom Schlagzeug und harmonische Melodien – Musik, die nicht leicht zu spielen ist, aber viel Spaß macht.Der folgende temporeiche „Sandstorm“ wurde zu atemberaubend großem Orchesterklang. Ein temperamentvoller „Teufelstanz“ von Josef Hellmesberger endete mit beschwingten Walzerklängen, gleich darauf begann die Filmmusik zum „Fluch der Karibik“ mit aufgeregtem Flimmern und entwickelte sich zum bekannten orchestralen Ohrwurm. Das nächste Werk erzählte eine romantische Geschichte vom schwedischen Sommer. Dann bewiesen die Akkordeonisten mit dem Robbie Williams Medley „Entertain You“, dass sie höchst virtuos auch Popmusik spielen können.

Nach zwei Stunden mit einem facettenreichen und exzellent gespielten Programm spendete das begeisterte Publikum großen Applaus und bekam als Zugabe den „Schrei nach Liebe“ von der Band „Die Ärzte“ – von Peter Lohmar für Akkordeonorchester bearbeitet.

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