Wuppertaler Industriegeschichte(n) mit dem Fokus auf das Wort (von Michael Walmsley, WZ 03.08.2026)
Jutta Höfel und Kirsten Radermacher zu Gast in der Bandfabrik
Nach ihrer gemeinsamen Ausstellung „Temporäre Räume”, die im Januar in den Räumen der Bergischen Kunstgenossenschaft (BKG) stattgefunden hat, beendeten Jutta Havel und Kirsten Radermacher am Sonntagvormittag ihr Projekt in der Bandfabrik an der Schwelmer Straße vor vollem Haus.
Auch kurz nach 11.30 Uhr, dem offiziellen Beginn der Veranstaltung, betraten immer noch weitere Gäste die Bandfabrik. Weitere Stühle wurden organisiert und ein wenig zusammengerückt. Dass die beiden Wuppertaler Künstlerinnen sich explizit für diese Location entschieden haben, hängt mit dem Thema ihrer Arbeit zusammen, wie Kirsten Radermacher im Gespräch vor der Performance erklärt. „Die Bandfabrik ist ein ganz wichtiger Ort der Wuppertaler Industriegeschichte, genau wie das Kolkmannhaus, in dem wir im Januar unsere gemeinsame Ausstellung gezeigt haben. Bei dieser ging es in einer Kombination aus meinen Fotografien und Juttas Texten um Wuppertaler Orte im Wandel der Zeit. Das Projekt startete im Jahr 2024 im Rahmen einer Förderung und wird heute mit dieser Performance beendet. Und da bei klassischen Ausstellungen das Wort leider oft zu kurz kommt, legen wir heute den Fokus auf Juttas Arbeit, während ich nur eine kleinere Rolle bekleide und eine Videosequenz beisteuere, die heute erstmalig öffentlich gezeigt wird. Pan Bastardo begleitet uns mit seiner Hand-Pan.”
Zarte Lyrik über harte Zeiten
Jutta Höfel, die an der Universität Wuppertal Romanistik, Germanistik und Philosophie studierte, arbeitet als freie Moderatorin, Dozentin und Publizistin für Literatur und Kunst. Die Art, in der sie über die Wuppertaler Industriegeschichte schreibt, ist bemerkenswert. Sie nutzt dafür Worte, die heute wie aus der Zeit gefallen scheinen, die jedoch Bilder in den Köpfen der Zuhörenden entstehen lassen, die sie unvermittelt an den Ort des Geschehens transportieren. Jedes Detail wird genauestens beschrieben und ausgemalt, sodass jede noch so triste Industriehalle zu einem spannenden Ort wird. Das Publikum hängt an ihren Lippen und traut sich in den ersten Pausen noch nicht so recht, die andächtige Ruhe mit einem anerkennenden Applaus zu zerstören. Die rhythmischen Klänge von Pan Bastardo passen gut ins Bild. Der Musiker improvisiert – inspiriert von den Texten entsteht die Musik erst im Moment.
In der gemeinsamen Arbeit unterscheidet sich der Entstehungsprozess je nach dem Ausgangspunkt. Mal ist Höfels Text zuerst da, mal bringt Radermacher ein Bild mit, an dem dann gemeinsam gearbeitet wird. Das Duo inspiriert sich dabei gegenseitig, was die Arbeit konstant spannend hält. Das musikalische Element haben die beiden schon öfter genutzt, die Arbeit als Trio funktioniert daher reibungslos. Höfel erklärt ihren Teil des Tages so: „Die Basis unserer Arbeit ist ja die Industriegeschichte und da sind ganz unterschiedliche Texte entstanden. Es gibt Prosa-Arbeiten, die vielleicht eher ein bisschen deskriptiv sind. Es gibt lyrische Arbeiten, die auch Raum schaffen sollen für eigene Assoziationen, und es gibt tagebuchähnliche Sequenzen, die die harten Erfahrungen des industriellen Arbeitens thematisieren. Das passt dann wiederum assoziativ zur Videoarbeit von Kirsten. Alles ist miteinander verbunden.”
Die Performance als Abschluss der gemeinsamen Arbeit hat für die beiden eine besondere Bedeutung, wie Radermacher erklärt. „Die intensive Arbeit begann im Jahr 2024 im Rahmen der Förderung. Diese ist mittlerweile beendet, aber wir wollten dennoch weitermachen. Und deswegen wollten wir unbedingt diese Performance an diesem Ort durchführen, bei der der Text mehr im Vordergrund steht.” Durch die kreative „Zuarbeit” von Radermacher und Pan Bastardo ist das dem Trio vollumfänglich gelungen, was der tosende Applaus der rund 50 Zuschauenden bewiesen hat.