Poetisch-fantasievolle Impro-Performance (von Martin Hagemeyer – WZ 08.07.2026)

Abschlussfest des interdisziplinären Kunstformats „Randlos“ in der Bandfabrik
Menschen schlängeln sich grazil über den Boden, schwenken sacht Stühle und Schirme, ein Mann schaukelt Tuba blasend am Baum. „Randlos“, das zum zweiten Mal in und an der Bandfabrik veranstaltete interdisziplinäre Kunstformat, wurde mit einer Impro-Performance – poetisch und fantasievoll – abgeschlossen.

Initiatoren waren wie schon 2024 die Zeichnerin Birgit Pardun, der Maler Andreas M. Wiese (bekannt etwa vom Engels-Porträt zu dessen Jubiläumsjahr) und Kirsten Rönfeldt, die schon allein ein breites künstlerisches Spektrum vertritt – neben Malerei etwa Fotografie und textile Installationen sowie Texte. Genres verbinden will das Format generell durch Begegnung von Künstlern verschiedener Sparten, die in dem Langerfelder Kunstort Zeit verbringen und sich ergänzen.

Die drei Tage zuvor darf man sich kaum als bloßes Einstudieren der Aufführung vorstellen, vielmehr schloss diese eine Probier- und bei einigen auch Kennenlernphase ab – bei der übrigens schon Zuschauen erlaubt gewesen war.

Wer zum Schluss kam, erlebte etwa, wie der Tänzer Baptiste Bersoux draußen eine Efeuwand bespielte, die Musikerin Carolin Pook und andere sogar das Schrägdach der Bandfabrik. Musiker Wolfgang Suchner gab besagten Blechbläser im Kirschbaum, die Tänzerinnen Sophia Otto und Annika Kompart glitten wie mühelos in fließendem Zusammenspiel über den Rasen (und erinnerten etwas an die Waldkobolde im Stil von Shakespeares „Sommernachtstraum“).

Dabei waren etwa auch der Videokünstler Kai Fobbe sowie Maik Ollhoff, der heute statt als „Loch“-Chef Teil der hübschen Schirme-Nummer war und in Teil zwei auch wieder einmal am Schlagzeug agierte.

Teil zwei folgte im Innenraum: Kurz mochte das Szenario wie ein Nachbau desjenigen vor dem Haus anmuten – etwa wenn man hier die Bühnenfläche analog zur Dach-Plattform las. Komplett bestätigte sich das nicht, immerhin aber fungierte gleichfalls ein „Baum“ als Mittelpunkt, um den das Geschehen kreiste – nun freilich ein künstlicher. Der Urkraft vermittelnde Stamm war mit Mini-Objekten verziert – irgendwo zwischen floral und technisch.

Suchner stieß hier in eine schwankend installierte Trompete, die Tänzer und Tänzerinnen agierten ähnlich wie zuvor mit organischen Bewegungen voll Anmut. Noch etwas spontaner als der Rest war die Einlage eines weiteren „Akteurs“: Das vielleicht zweijährige Kind von Narumi Saso krabbelte munter zur performenden Mutter und schien ein paar Momente Teil des Spiels – fast wie die Profis.

Wer bei alldem vieles als traumähnlich erlebt hatte und nachher noch über den Rasen schlenderte, mochte kurz vollends an seiner Wahrnehmung zweifeln: Ein rundes Dutzend leuchtend roter Pilze, ihm zuvor entgangen, schwebte über dem Gras, doch als Ursache erwiesen sich statt Halluzinationen feine Fäden, die die „Gewächse“ von oben hielten – was etwas beruhigte. Sie stammten, wie später zu hören, von Co-Initiatorin Birgit Pardun, und fanden Anklang: „Wolfgang (Suchner) fand sie toll.“ Allgemein betont sie, wesentlich für „Randlos“ sei das Zusammenbringen von Künsten in unüblichen Konstellationen; „Musik und Tanz dagegen ergeben ja schon eine natürliche Verbindung.“

Eher unberücksichtigt blieben ihre Zeichnungen, die links auf der Efeuwand aufgehängt waren: Sie habe keiner ins Spiel aufgenommen. So wird es über die Tage bei allen häufiger gewesen sein – und zwar als Teil des gewissermaßen „unplanbaren Plans“: Künstler brachten ein Objekt oder anderes ein, machten dem restlichen Ensemble ein Angebot, das manches aufgriff und anderes nicht.

Wieder anderes wohl auf unerwartete Art: Sigrid Neuwinger kreiert generell neue Welten, die (Zitat) „die Banalität der materiellen Grundlage vergessen“ lassen, diesmal war etwa aus Obstpresse und mehr eine halbtransparente Miniatur entstanden. Dass das Podest der Neuschöpfung durch andere zum kinetischen Element gemacht und durch den Raum bewegt würde, wird kaum geplant gewesen sein – was wohl ganz zu „Randlos“ passt.

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