Presse: Interaktiv und offen Neues erzeugen (von Monika Werner – WZ 26.06.2026)
Zweite „KunstMusikTanzWoche Randlos“ in der Bandfabrik
Die Gefühle waren überwältigend, trotzten der Beschreibung. „Ich war so beeindruckt von dem, was die gemacht haben“, sagt Andreas M. Wiese. „Wir sind durch die Woche geflogen und auch danach“, erinnert Kirsten Rönfeldt. Eine Wiederholung, möglichst Erweiterung war keine Frage, sondern selbstredend. Dass diese erst jetzt kommt, hat logistische Gründe, erlaubt einen größeren Vorlauf. Am Montag startet das Kunstkollektiv PardunRönfeldtWiese zum zweiten Mal die „KunstMusikTanzWoche Randlos“ in der Bandfabrik, der erstmals eine zweite im Herbst im Loch folgen soll.
Andreas M. Wiese ist Maler, was an sich gut ist, andererseits aber das Problem beginnt. Weil er nicht nur „bunte Rechtecke“ an Wände hängen, sondern etwas bewegen will. Das führte 2023 dazu, dass er mit Tänzerinnen der TanzStation Barmen die Performance „Das karierte Telefon“ gestaltete und 2024 das Ausstellungsangebot der Bandfabrik zu ihrem 25-jährigen Bestehen nicht einfach annahm, sondern gemeinsam mit weiteren bildenden Künstlern gestalten wollte. Aus einem Bauchgefühl heraus sprach er die Künstlerinnen Kirsten Rönfeldt (Malerei, Textile Installationen, Text), Birgit Pardun (Malerei, Zeichnung, Installation) und Petra Mohr (Malerei und Druckgraphik) an. Der Titel für das gemeinsame Unterfangen war schnell gefunden. Das Motto der Fabrik, „Kultur am Rand“ der Stadt zu machen, wurde mit dem „randlosen Tun über Sparten hinweg“ gefüllt. Heißt: Von Anfang an wurden Musiker, Tänzer oder Performer hinzugeholt. Um in der Vermischung von bildender mit anderen Künsten „miteinander und in der jeweils anderen Kunst Neues zu erzeugen“. Und: Die gegenseitige Intervention schloss das Publikum ein. All das temporär, interaktiv, improvisatorisch und offen.
Die Idee ging auf, Wiese hatte „die richtigen Menschen angesprochen“. Die Chemie stimmte, obwohl diese einander zuvor nicht gekannt hatten. Das Publikum, das kam, war (naturgemäß) eher zurückhaltend, schaute, manchmal wurden Worte gewechselt, seltener etwas in die Hand genommen, einmal Musik gemacht, einmal getanzt. Erst bei der Abschlussveranstaltung tauten einige mehr auf. Weshalb diesmal konkrete Mitmachangebote gemacht werden sollen. Eine von mehreren Änderungen, das Format soll wachsen, sich möglichst verstetigen.
Das Format soll wachsen, sich möglichst verstetigen
Was auch eine Frage des Geldes und der Location ist. Die Bandfabrik kann nicht ohne Weiteres eine Woche für die Künstler blocken und die ehedem 9000 Euro reichen auf Dauer nicht, um das Event zu stemmen. Kam man 2024 mit einem Hauptsponsor und einigen kleineren aus, wird die nun errechnete, höhere Summe durch kleinere Förderer und vor allem durch das Regionale Kulturprogramm aufgebracht. Der Eigenanteil ist noch nicht gesichert, weshalb das Kunstkollektiv auf weitere Spenden hofft (Interessierte können unter randlos-kunstgruppe.de Kontakt aufnehmen).
Mit dabei sind dieses Mal – neben Pardun, Rönfeldt und Wiese, die ohne Petra Mohr auskommen müssen – neun Künstler (Musiker, Tänzer, Schauspieler, Medienkünstler, Performer, Autoren), darunter drei Neue. Vor allem gibt es eine dreitägige Fortsetzung im November (12. bis 14.) im Loch. Es gibt „Sommer und Winter, hell und dunkel, Locations in Rand- und Zentrumslage“, so Wiese. Um die Intervention unter den Mitwirkenden zu verstärken, die naturgemäß bei Musik und Tanz leichter ist als bei der bildenden Kunst, will Birgit Pardun vor allem mit Dingen arbeiten, „die Transformationspotenzial haben“. Ein textiles Gummiband etwa, mit dem man Räume gestalten oder tanzen kann. Oder etwas, mit dem Tänzer farbige Spuren hinterlassen können, „sodass wir gemeinsam performen“. Kerstin Rönfeldt überlegt, das Kassenband mitzubringen, auf dem sie die Abschlussfeier 2024 dokumentiert hat, um dies nun aktiv zu nutzen. Andreas M. Wiese hat in der Werkstatt seines Vaters ein ziemlich großes „Unding“ gefertigt, das er in den Raum stellen will, damit es dort bespielt werden kann. Nachdem 2024 „sein sperriges Teil“, das er an eine Wand gehängt hatte, „zu fertig war, um wirklich zur Veränderung anzuregen“. Als Maler will er nach wie vor nicht auftreten („es geht um den Menschen hinter dem Maler“). Er will schauen, präsent sein. Pardun: „Wir wollen das Instrument spielen, alle Sparten ins Spiel bekommen.“ Auch die Besucher, die ab Mittwoch zu „Randlos“ eingeladen sind.