Musikalische Grenzgänger voller Spielfreude (von Michael Bosse – WZ – 02.03.2026)

Gert Kapo und sein Quartett präsentieren Songs ihres 2024 erschienenen Albums in der Bandfabrik
Historisch betrachtet kennt sich Langerfeld als alter Verkehrsknotenpunkt an der Grenze der ehemaligen Grafschaft Mark und dem früheren Herzogtum Berg mit Grenzgängern aus. Insofern war es durchaus passend, dass in der Bandfabrik am Freitagabend Gert Kapo mit seinem Quartett auftrat. Die Formation verbindet Balkanklänge mit Jazz, Weltmusik, Klassik und Samba zu einer hybriden Mischung. Und offenbar stößt diese Art der klanglichen Grenzüberschreitung beim Publikum auf großes Interesse: Das gut zweistündige Konzert war ausverkauft.

Für den aus Albanien stammenden und in Köln lebenden Pianisten und Komponisten Kapo sowie seine drei Mitstreiter Epaminondas Ladas (Gitarre, Oud), Armin Alic (Bass) sowie Mirek Pyschny (Drums) standen das vor etwa zwei Jahren erschienene Album „Amanet“ (Royal Street Records) und dessen neun Songs im Mittelpunkt. Kapo übernahm dabei die Rolle des Frontmanns, der zwar nicht sang („Singen kann ich nicht“), aber gleich einen Flügel und zwei Keyboards bediente. Dabei wechselte er auch immer wieder, selbst während der Songs, zwischen den Tasteninstrumenten oder ließ Geräuschcollagen einspielen – unter anderem von Meereswellen und seinen Kindern, die im Atlantik spielen.

Zudem erklärte Kapo ein wenig die Songs, die teilweise albanische Namen tragen – so etwa auch der Albumtitel „Amanet“, der so viel wie Vermächtnis, Hinterlassenschaft oder Testament heißt. Gert Kapo versteht die Traditionen seines Herkunftslandes als Vermächtnis, das er in seiner Musik aufgreift und für sich und seine Kompositionen nutzbar macht. So widmete er etwa einen Song seinem Vater.

Die Songs haben eine starke rhythmische Ausrichtung
Dabei hatten die Songs eine starke rhythmische Ausrichtung, die vor allem vom Zusammenspiel aus Piano/Keyboard und Gitarre lebte. Durch die Wiederholung der Rhythmen in diversen Variationen entwickelten die Lieder zudem eine leicht hypnotische Wirkung – ehe die Band sie durch einen Break wieder auflöste. Alternativ erklangen auch sphärische Töne, die einen eher offenen Horizont anklingen ließen.

Auf Basis einer albanischen Volksweise entwickelte das Quartett den Song „Serious Kidding“, dessen Motto Kapo mit dem Begriff „Ernsthaftes Spielen“ wiedergab und das in gewisser Weise auch für ihn und seine Mitmusiker gilt: die Lust am Spielen bewahren und zugleich die Professionalität am Instrument nicht zur leeren, immer wieder abrufbaren Routine werden lassen. Jeder der vier Musiker findet dabei seinen gleichberechtigten Platz im Gesamtgefüge.

Die Vielfalt der musikalischen Quellen wurde überdies dadurch deutlich, dass Epaminondas Ladas neben der halbakustischen Gitarre auch auf der Oud spielte. Die Oud ist das zentrale Saiteninstrument im Nahen Osten. Sie bietet einen einprägsamen Klang, der von dem Quartett gut in dem Gesamtsound integriert werden konnte, ohne aufgesetzt zu wirken.

Seit etwa zwei Jahren erst spielt die Formation um Gert Kapo zusammen. Wer sie auf der Bühne erlebt, möchte das angesichts des perfekten Zusammenspiels vielleicht gar nicht glauben. Aber die vier sind eben Profimusiker, die schon viele Erfahrungen in anderen Bands und Projekten gesammelt und gleichwohl die Freude am „ernsthaften Spielen“ nicht verloren haben.

Und was man mit Freude macht, das gelingt ja meistens am besten.

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